JWP Mittendrin

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JWP MittenDrin
Allgemeine Informationen
Adresse: JWP MittenDrin e.V.
Schinkelstr.15a
16816 Neuruppin
Gründung 1993
Website jwp-mittendrin.de

JugendWohnProjekt MittenDrin e.V. Neuruppin.


Geschichte

Hervorgegangen ist das Projekt im Sommer 1993 aus dem Engagement von ca. 20 Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen im Alter von ca. 15–27 Jahren. Sie waren auf der Suche nach geeignetem und bezahlbarem Wohnraum für Jugendliche in sozialer Notlage und einem Ort für ein Info-Café. Die eigene Betroffenheit war der Auslöser für SchülerInnen, Arbeitslose, AbiturientInnen, Zivildienstleistende und Andere, die sich seit längerer Zeit kannten und bereits ein freundschaftliches Verhältnis verband, sich nach Alternativen umzusehen. Einigen Jugendlichen war es unmöglich geworden, weiterhin im elterlichen Haushalt zu wohnen, da sich ihre Lebens- und Wertevorstellungen von denen ihrer Eltern zu sehr unterschieden. Ebenso waren Raum und Distanz nötig, um sich eigenständig entwickeln zu können.

Aber nicht nur die persönlichen Probleme im Elternhaus, sondern auch Arbeits- und Perspektivlosigkeit im Zuge der politischen Umwälzungen Anfang der 90er Jahre, bedeuteten eine zusätzliche psychische Belastung. So führte die Umstrukturierung des Bildungssystems zu verstärkten Spannungen im schulischen Bereich, die sich auf die Psyche der Jugendlichen und auf die der Eltern niederschlugen.

Nachdem monatelang vergeblich bei den verschiedensten Institutionen versucht wurde, dieses Anliegen an den Menschen zu bringen, wurde am Freitag, dem 30. Juli 1993 das Haus in der August- Bebel- Straße 66 besetzt. Es sollte damit die Möglichkeit der Selbsthilfe und der Eigeninitiative geschaffen werden. Ziel war es, damals wie heute, eine alternative Lebensweise und ein Zusammenleben mit Menschen egal welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts oder welcher Religion zu praktizieren.

Die Vorstellung im Einklang mit der Natur zu leben ist unserer Meinung nach wichtig. Das Engagieren für die Nutzung von umweltverträglicher Energiegewinnung (Ablehnung der Kernkraft) sind dabei genauso von Bedeutung, wie eine gesunde ökologische Ernährung, welche mit der Genmanipulation an Lebewesen nicht vereinbar ist. Wir wollen weg von der Mentalität der Ellenbogengesellschaft und des stetigen unreflektierten Konsumverhaltens. Das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, das war und ist unsere Devise.

Nach drei Tagen der Besetzung wandten sich die BesetzerInnen an die interessierte Öffentlichkeit. Das Echo war überaus positiv. Obwohl die Regionalpresse alberne Vergleiche mit wilden Straßenschlachten in Berlin Anfang der 90er Jahre nicht scheute, gelang es nicht über die wahren Beweggründe hinwegzutäuschen. Nach der Besetzung wurde schnell der Kontakt zur städtischen Wohnungsbaugesellschaft (NWG) und der Stadtverwaltung hergestellt. In Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister, Herr Zindler, konnte eine mögliche Eskalation mit der Polizei vermieden werden. Aber auch der couragierte Einsatz von Herrn Zindler konnte die ständigen militanten Angriffe von Rechtsradikalen auf das besetzte Haus nicht unterbinden. Nächtelang wurden die BesetzerInnen von den Neonazis tyrannisiert. Mehrere Tage und Nächte mussten sie sich gegen die Angreifer verteidigen. Immer wieder wurde das Haus mit Steinen, Flaschen und auch Schusswaffen angegriffen. Bis auf kleinere Verletzungen ist jedoch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Die vielen Verhandlungsrunden mit der Stadt Neuruppin, dem Bürgermeister Zindler und der NWG ergaben folgenden Schluss: Die NWG stellte klar, dass eine Nutzung der August – Bebel– Straße 66 wegen der bereits seit Jahren bestehenden baupolizeilichen Sperrung nicht in Frage käme. Die BesetzerInnen beharrten jedoch darauf, ihre Ideen unbedingt umzusetzen, um die Vorstellung von Wohnraum und Begegnungsstätte verwirklichen zu können. Ein Vorschlag der NWG / Stadt Neuruppin wurde von den Jugendlichen angenommen. Sie entschlossen sich, dass Haus in der August – Bebel – Straße 17 zu beziehen. Am 5.August 1993 wurde ein Mietvertrag für diese Räumlichkeiten unterschrieben.

Eine Perspektive gab es aber in diesem Haus nicht, da allen Beteiligten bekannt war, dass auf diesem Haus ein Restitutionsanspruch liegt. Mit den Jahren verschlechterte sich der bauliche Zustand zunehmend. Also ließen wir die Bemühungen nicht abreißen, ein neues Haus an einem anderen Standort zu bekommen. Ein Grundsatz war dabei immer klar, es muss ein Haus sein, in dem wir Wohnen und unsere Projektideen umsetzen können, unserem Namen gerecht werdend – mittendrin in der Stadt. Wir wollten auf keinen Fall an den Rand der Stadt gedrängt werden. Im Endeffekt gab uns die Arbeit auf der Grundlage einer Konzeption den nötigen Halt und eine gute Öffentlichkeitsarbeit die Chance den damaligen Bürgermeister Herr Theel für unser Ansinnen zu gewinnen. Im Juli 1999 nahmen wir die Vertragsverhandlungen für den heutigen Standort in der Schinkelstr. 15 a auf. Zum Ende des Jahres zog unsere Sozialpädagogin mit ihrem Büro als erste in das „neue Haus“ ein, auf der Grundlage eines langfristigen Mietvertrages mit der Stadt Neuruppin. Das eröffnete uns neue Möglichkeiten, aber stellte uns auch vor Schwierigkeiten, so mussten wir die Geschäftsführung, die Konzeption und die Satzung den neuen Begebenheiten anpassen. Der Mitarbeiterstamm wurde stark erhöht, einem Nebenstudium von unserer Geschäftsführerin zugestimmt und sehr viel Eigeninitiative seitens der Mitglieder ins Haus eingebracht.

Mitte 2002 konnten wir die Siebdruckwerkstatt in unser Projekt eingliedern. Aufgrund großzügiger Sachspenden waren wir in der Lage, diese gut auszurüsten und mit dem Inventar lange und erfolgreich zu arbeiten. Nach Einjähriger Anlaufphase konnten wir hier zwei Personen fest anstellen. Doch die Zeiten änderten sich. Im Jahre 2003 brachte ein weiterer großer Generationswechsel neuen Wind und neue Ideen in das MittenDrin. Die Bedürfnisse der immer jünger werdenden Besuchergruppe änderten sich und machten eine intensivere Betreuung notwendig. Durch die Einführung von Hartz IV (2005) spitzte sich die soziale Lage vieler Neuruppiner MitbürgerInnen und ihrer Kinder abermals zu – wir mussten reagieren. Die MVV am 2.4.2005 beauftragte den neu gewählten Vorstand, unsere Sozialpädagogin von der Belastung der Geschäftsführungstätigkeit zu befreien, um ihr mehr Zeit für ihre Hauptaufgabe der Betreuung und Beratung von Jugendlichen zu geben. Außerdem entschied der Verein sich für eine Umstrukturierung der Siebdruckwerkstatt, die noch nicht abgeschlossen ist. Das Wissen um die Neubesetzung der 610er-Stellen ab dem 01.01.2006 bestärkte uns in dem Vorhaben Geschäftsführung und Sozialarbeit personell voneinander zu trennen. Heute verwalten wir erfolgreich das Haus in der Schinkelstrasse 15a und bieten zusammen mit unserer Sozialpädagogin unseren Jugendlichen ein breites Angebot an Aktivitäten und Bildungsmöglichkeiten.


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